Archive for September, 2008

Das Thema „Sport“ spielt an den Hochschulen der USA traditionell eine große Rolle: Die „colleges“ haben eine eigene Liga, jedes Jahr werden Meisterschaften ausgetragen, die ein Millionenpublikum vor den Fernseher locken. Die Endrunde der Basketball-Meisterschaften etwa findet jedes Jahr im März statt und wird deshalb bezeichnenderweise „March Madness“ genannt („madness“=englisch für „Wahnsinn“).

Liga-Betrieb für Rollstuhl-Basketball an einigen Hochschulen

Aber nicht nur für „normale“ Studenten gibt es an den US-Hochschulen ein umfangreiches Sportangebot.
Der meist riesige Campus einer amerikanischen Hochschule bietet neben Wohnmöglichkeiten für die Studenten – viele kommen aus dem Ausland oder aus anderen Bundesstaaten – auch umfangreiche Sportmöglichkeiten. Einige Hochschulen verfügen sogar über mehrere eigene Stadien mit einem Fassungsvermögen von mehreren Zehntausend Zuschauern. Finanziert werden diese Bauten häufig durch großzügige Spender, die meisten von ihnen wohlhabende „alumni“ (ehemalige Studenten der Hochschule).
Genau wie die „normalen“ Studenten, können natürlich auch Studenten mit Behinderung von dem Angebot ihrer Hochschule Gebrauch machen. Beispielsweise gibt es in einigen Regionen der USA einen Liga-Betrieb in Behindertensportarten, insbesondere im Rollstuhl-Basketball. Mittlerweile ist es für die Hochschulen selbstverständlich geworden, ihre Sportanlagen entweder behindertengerecht auszubauen oder die Bedürfnisse von Behinderten wenigstens in der Planung neuer Gebäude zu berücksichtigen. Hier können die meisten Hochschulen in Europa durchaus noch etwas dazu lernen.

Beispiele für behindertengerechte Umbauten von Sportanlagen

Für barrierefreien Behindertensport braucht es natürlich auch die entsprechenden Zugänge zu den Sport-/Wettkampfstätten. Dazu zwei Beispiele aus meiner eigenen Erfahrung: Das College im Bundesstaat Minnesota, an dem ich studiert habe, hatte nicht nur einen ebenerdigen Zugang zur Schwimmhalle; es gab dort auch eine Dusche, die rollstuhlgerecht gebaut war, sowie eine Einstiegshilfe für das Schwimmbecken. Genauso war der Zugang zum Football-Stadion sowie zur Sporthalle, in der die Volleyball- und Basketball-Wettbewerbe stattfanden, rollstuhlgerecht ausgebaut. An allen Türen auf dem Campus waren elektronische Türöffner montiert, die auf Knopfdruck betätigt werden konnten. Wenn einmal ein Öffner nicht funktionierte, wurde der Hausmeister verständigt, und das Problem war spätestens nach einem halben Tag behoben. „Minnesota dreaming“!