Wer über Weihnachten in die USA fährt und dort – wie ich während meines Studiums – Weihnachten z. B. in einer Familie mitfeiern darf, wird sich unter Umständen wundern: Einige amerikanische Christen feiern nach wie vor die „Twelve Days of Christmas“, die „Zwölf Weihnachtstage“, zwischen dem 25. Dezember und der „epiphany“ („Dreikönigsfest“) am 6. Januar.
Während in fast allen deutschen Haushalten in dieser Zeit schon wieder die „Ruhe nach dem Sturm“ herrscht, feiern einzelne amerikanische Christen in diesen zwölf Tagen fast wie am Weihnachtsabend. Zu den Glaubensrichtungen, welche die „Twelve Days“, die ihren Ursprung in der amerikanischen Kolonialgeschichte haben, auch heute noch feiern, gehören z. B. die Mennoniten und die Amish. Letztere sind außerhalb der USA vor allem für ihre ursprüngliche Lebensweise und den Verzicht auf technische Hilfsmittel im Alltag bekannt. Die meisten Amish verdienen ihr Geld mit Landwirtschaft.
Die Traditionen der „Zwölf Weihnachtstage“
In den „Zwölf Weihnachtstagen“ ist es nach wie vor Tradition, sich an jedem dieser Tage gegenseitig zu beschenken und für jeden Tag eine Kerze anzuzünden. Außerdem werden täglich andere Strophen aus dem Lied „The Twelve Days of Christmas“ gesungen; dies ist insofern interessant, als dieses Lied ursprünglich gar nicht aus den USA kommt, sondern aus Skandinavien oder Frankreich (die genaue Herkunft ist bis heute unklar). Was den Weihnachtsbaum und die weihnachtliche Dekoration in den eigenen vier Wänden angeht, lief in den Haushalten, die ich kennen lernen durfte, alles genauso ab wie in Deutschland: Sowohl der Weihnachtsbaum als auch die anderen Dekorationen werden dort zwischen Weihnachten und dem „Dreikönigsfest“ entfernt. Auch in der Aula des Colleges, an dem ich studiert habe, stand ein prächtig geschmückter, überdimensionaler Weihnachtsbaum. Wie jeden Tag während des Semesters – das College gehörte zur „Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika“ (ELCA) – fand natürlich auch zu Weihnachten ein Gottesdienst im College statt. Diese Veranstaltung wurde vor allem von den zahlreichen Studenten aus dem Ausland gut angenommen, die keine Möglichkeit hatten, Weihnachten wie sonst, zuhause im Familienkreis zu feiern.