Das es grundsätzlich möglich ist Nachteilsausgleiche für behinderte Studenten während des Studiums in Anspruch zu nehmen, ist ja weitläufig bekannt. Leider sind hierzu immer noch ein paar Fragen offen und wir möchten hier helfen, die wichtigsten Fragen nocheinmal zu klären.
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Das Flughafenpersonal ist oftmals sehr gut geschult, trotzdem fehlt den Mitarbeitern am Boden und in der Luft in vielen Fällen die Erfahrungen, wie sie mit behinderten Reisenden umgehen müssen. Wenn Ihr also Euer Auslandsstudium plant und mit dem Flugzeug reist, solltet Ihr Euch daher vorab sehr gut bei der Airline informieren, damit Ihr dem Personal ein wenig Hilfestellung geben könnt und ich auf die Reise einstellen könnt.
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Stipendien für das Auslandsstudium mit Behinderung gibt es von einer Vielzahl von Organisationen und Stiftungen. Deshalb ist es notwendig, dass man sich einen Überblick über die verschiedenen Organisationen und Träger macht.
In den kommenden Monaten finden vermehrt bundesweite Veranstaltungen für das Auslandstudium mit Behinderung statt. Also Augen auf und Veranstaltungsdaten sichern!
Diese Treffen dienen nicht nur dazu die eigenen Fragen zu klären, sondern können auch helfen euer soziales Netzwerk zu erweitern und Informationen bundesweit auszutauschen. Die Erfahrung zeigt, dass auf solchen Veranstaltungen oft viele hilfreiche Diskussionen entstehen und Fragen konkret geklärt werden können. Es ist sehr interessant dort die Standpunkte und Auslandserfahrungen von anderen Studenten oder auch Lehrlingen zu hören und darüber zu diskutieren. Der Austausch dazu ist sehr fruchtbar und ihr solltet euch diese offenen Veranstaltungen nicht entgehen lassen. (weiterlesen…)
Für die Zeit meines Studiums in den USA hatte ich mir vorgenommen, die bis dahin mühevoll erarbeitete Selbständigkeit so gut es geht anzuwenden und für Freizeitaktivitäten zu nutzen. Vor allem bei den Reisen innerhalb der USA funktionierte das sehr gut: Reisenden mit Behinderung werden dort bei weitem nicht so viele „Steine“ in den Weg gelegt wie in Deutschland, das fängt schon beim Check-In an.
Umstieg am Flughafen Chicago O’Hare völlig problemlos
Beispiel Flughafen: Bei der Anreise in den Bundesstaat Minnesota musste ich am Flughafen Chicago O’Hare in ein anderes Flugzeug umsteigen. Die Betreuung in Chicago war sehr gut, ganz anders, als ich es von Deutschland gewohnt war: Ich wurde nach der Ankunft in Chicago direkt am Flugzeug abgeholt, zu meinem Rollstuhl gebracht und in den Rollstuhl umgesetzt und anschließend zu einer „Lounge“ weitergeleitet. Diese großzügigen, komfortablen Aufenthaltsräume sind in Chicago normalerweise Fluggästen vorbehalten, die erster Klasse oder „Business Class“ fliegen. Anders in den USA: In den Räumen gibt es Essen und Trinken, einen Fernseher, Spielzeug für allein reisende kleine Kinder, sowie rollstuhlgerechte Sanitäranlagen, die ich nutzen konnte – diese sind allerdings in den USA ohnehin die Regel. In der „Lounge“ durfte ich auf meinen Anschlussflug warten, von dort brachte man mich wieder zum Flugzeug, die Mitarbeiter halfen mir außerdem beim Umsteigen in den Flugzeugsitz. Der ganze „stopover“, wie ein Zwischenstopp auf Englisch genannt wird, verlief somit für mich völlig stressfrei!
Das Thema „Sport“ spielt an den Hochschulen der USA traditionell eine große Rolle: Die „colleges“ haben eine eigene Liga, jedes Jahr werden Meisterschaften ausgetragen, die ein Millionenpublikum vor den Fernseher locken. Die Endrunde der Basketball-Meisterschaften etwa findet jedes Jahr im März statt und wird deshalb bezeichnenderweise „March Madness“ genannt („madness“=englisch für „Wahnsinn“).
Liga-Betrieb für Rollstuhl-Basketball an einigen Hochschulen
Aber nicht nur für „normale“ Studenten gibt es an den US-Hochschulen ein umfangreiches Sportangebot.
Der meist riesige Campus einer amerikanischen Hochschule bietet neben Wohnmöglichkeiten für die Studenten – viele kommen aus dem Ausland oder aus anderen Bundesstaaten – auch umfangreiche Sportmöglichkeiten. Einige Hochschulen verfügen sogar über mehrere eigene Stadien mit einem Fassungsvermögen von mehreren Zehntausend Zuschauern. Finanziert werden diese Bauten häufig durch großzügige Spender, die meisten von ihnen wohlhabende „alumni“ (ehemalige Studenten der Hochschule).
Genau wie die „normalen“ Studenten, können natürlich auch Studenten mit Behinderung von dem Angebot ihrer Hochschule Gebrauch machen. Beispielsweise gibt es in einigen Regionen der USA einen Liga-Betrieb in Behindertensportarten, insbesondere im Rollstuhl-Basketball. Mittlerweile ist es für die Hochschulen selbstverständlich geworden, ihre Sportanlagen entweder behindertengerecht auszubauen oder die Bedürfnisse von Behinderten wenigstens in der Planung neuer Gebäude zu berücksichtigen. Hier können die meisten Hochschulen in Europa durchaus noch etwas dazu lernen.
Beispiele für behindertengerechte Umbauten von Sportanlagen
Für barrierefreien Behindertensport braucht es natürlich auch die entsprechenden Zugänge zu den Sport-/Wettkampfstätten. Dazu zwei Beispiele aus meiner eigenen Erfahrung: Das College im Bundesstaat Minnesota, an dem ich studiert habe, hatte nicht nur einen ebenerdigen Zugang zur Schwimmhalle; es gab dort auch eine Dusche, die rollstuhlgerecht gebaut war, sowie eine Einstiegshilfe für das Schwimmbecken. Genauso war der Zugang zum Football-Stadion sowie zur Sporthalle, in der die Volleyball- und Basketball-Wettbewerbe stattfanden, rollstuhlgerecht ausgebaut. An allen Türen auf dem Campus waren elektronische Türöffner montiert, die auf Knopfdruck betätigt werden konnten. Wenn einmal ein Öffner nicht funktionierte, wurde der Hausmeister verständigt, und das Problem war spätestens nach einem halben Tag behoben. „Minnesota dreaming“!
Ich möchte an dieser Stelle noch einmal ausführlicher auf das Thema „Krankenversicherung“ beim Auslandsstudium mit Behinderung zurückkommen und euch ein paar Tipps geben, auf was ihr diesbezüglich achten solltet.
Abschluss einer privaten Krankenversicherung für mich notwendig
Der Abschluss der richtigen Krankenversicherung war vor meinem Auslandsaufenthalt eine der größten Hürden, die ich zu überwinden hatte. Zwar gibt es innerhalb der Europäischen Union Abkommen zwischen den einzelnen Staaten für gesetzlich Versicherte; diese Abkommen gelten jedoch nicht außerhalb Europas und damit auch nicht in den Vereinigten Staaten von Amerika.
Für die USA musste ich also eine private Krankenversicherung abschließen. Dies gestaltete sich aus folgenden Gründen sehr schwierig.
Vorschriften bei Reise-Auslandskrankenversicherungen
Erstens: Die normalen Auslandskrankenversicherungen, die man in Zusammenhang mit Auslandsreisen abschließt, gelten höchstens drei Monate in Folge.
Zweitens: Private Krankenversicherungen verlangen immer ein Gesundheitszeugnis als zusätzliche „Absicherung“, wenn etwas passiert – für mich als Student mit chronischer/dauerhafter „Vorerkrankung“, wie es offiziell heißt, natürlich nicht gerade günstig…
Die Rettung: Ein Rundum-Paket eines Dienstleisters ohne Gesundheitsüberprüfung
Nach umfangreicher Recherche habe ich schließlich ein „Rundum-Paket“ bei einem Finanzdienstleister gefunden. Dieses Paket beinhaltete auch eine Krankenversicherung, allerdings ohne die von anderen Versicherungsanbietern vorgeschriebene Gesundheitsüberprüfung. Damit war schließlich alles klar, und ich konnte den nächsten Punkt auf meiner Vorbereitungs-Liste abhaken…
Noch einmal kurz zurück zur persönlichen Beratung…Die Amis nehmen das “no child left behind”-Prinzip sehr ernst: Niemand soll mit seinen Problemen allein gelassen werden, und schon gar nicht Kinder und Angehörige von Minderheiten (dazu zählen Behinderte nun mal…). Dass dabei Anspruch und Realität manchmal nicht zusammenpassen, steht auf einem anderen Blatt geschrieben…
Die meisten Hochschulen in den USA haben entweder entweder einen “Counseling Service” (Beratungsstelle, die allen Studenten bei persönlichen Problemen Hilfe bietet) oder zusätzlich Behindertenbeauftragte vor Ort. Was die Qualiät der Beratung dort angeht, habe ich während meines Aufenthalts durchweg positive Erfahrungen gemacht. Ob es darum ging, eine kleine Schwelle an der Tür meines Wohnheims mit Beton aufzugießen(!), mein Bett umzustellen, damit ich besser ins Zimmer komme, oder mich persönlich zu beraten, alles hat schnell und unkompliziert geklappt!
Die Reise über den “Großen Teich”
Einige Menschen aus meinem Bekanntenkreis sind noch nie in ihrem Leben geflogen, geschweige denn über den Atlantik. Viele trauen sich aufgrund ihrer Behinderung eine so weite Reise nicht zu, andere haben das Geld nicht. Ich habe das Glück, in einer reisefreudigen Familie aufgewachsen zu sein, deshalb war dies nicht meine erste Flugreise, auch nicht die erste ohne meine Eltern. Das hat sehr zu meiner Beruhigung beigetragen! Trotzdem: Die Anreise vor solch einem langen Aufenthalt zu planen, hat alle Beteiligten viel Energie gekostet! Beispiel: Der Visumsantrag und das Abholen des Visums für den Aufenthalt.
Damals bin ich gemeinsam mit meiner Mutter mit dem Zug nach Frankfurt am Main zum Amerikanischen Generalkonsulat gefahren. Mit dem Thema Zugreisen im Rollstuhl könnte man übrigens problemlos einen weiteren Blog füllen…
In dem stark gesicherten Gebäude – wir schrieben das Jahr 2003, der 11. September war noch viel präsenter als heute – mussten wir ca. zwei Stunden warten, bis ich dran kam…das in einem Brief vorher angekündigte “Interview” im Konsulat dauerte grob geschätzt zwei Minuten:
Konsulatsmitarbeiter: “Warum beantragen Sie ein Visum für die USA?”
Ich dachte, ich hätt’s überall erzählt! “Ich möchte dort studieren.”
Konsulatsmitarbeiter: “Haben Sie vor, die USA wieder zu verlassen?”
Naja, wenn du mich so fragst…”Klar, meine Familie lebt schließlich in Deutschland!”
Schlusswort: “Gut, vielen Dank, hier ist ihr Visum!”
Wurde aber auch Zeit…
Danach ging’s wieder nach Hause, der Tag war natürlich gelaufen…
Ein Studium im Ausland ist für die meisten Studenten ohnehin schon ein großer Schritt. Für Behinderte Studenten mit Behinderung ist die Entscheidung für ein solches Auslandsstudium mit zusätzlichen Hürden verbunden. Was Studenten mit Behinderung bei der Planung ihres Auslandsaufenthaltes beachten sollten. Eine “Checkliste”
Finanzierung vorher abklären
Die Studiengebühren z. B. in den USA sind für viele Studenten ein großes Problem. Der “run” auf Stipendien für ausländische Studenten ist sehr groß. Die meisten Stipendien decken ausschließlich die Studiengebühren ab; alle darüber hinaus gehenden Kosten, die während des Aufenthalts anfallen, muss man selbst tragen. Und ein “normaler” Student hat schließlich niedrigere Lebenshaltungskosten…Aber als Behinderter Student mit Behinderung ist man das Improvisieren und Organisieren ja gewohnt, deshalb…Immer mal wieder im Internet zu dem Thema recherchieren – bis ich zu meinem (ganz “normalen”) Stipendium gekommen bin, habe ich in Eigenregie etwa 200 Organisationen/Institutionen per Post, Telefon und E-Mail kontaktiert! Es gibt zu dem Thema “Stipendien” auch Nachschlagewerke und Adress-Verzeichnisse in Buchform.
Hochschule sorgfältig auswählen
Bei der Auswahl der richtigen Hochschule für das Auslandsstudium mit Behinderung spielen drei Fragen die Hauptrolle: Wie sieht es mit den baulichen Voraussetzungen auf und um den Campus aus? Wie ist die Betreuung vor Ort? Und, last but not least, bietet die Hochschule ein Studienprogramm an, das mir fachlich etwas bringt? Schließlich ist man ja (auch) zum Lernen an der Universität eingeschrieben – auch wenn dieses Thema erfahrungsgemäß beim so einem Aufenthalt viel zu kurz kommt…!
Wer jetzt Treppenstufen vor denkmalgeschützten Bibliotheken, schwere Türen am Eingang des Hauptgebäudes und dergleichen im Kopf hat – America, you have it better!”
Ein im Jahr 1990 verabschiedetes Gesetz verpflichtet die Eigentümer öffentlicher Gebäude und Bauherren, die Bedürfnisse eines Menschen mit Behinderung bei der Gebäudeplanung zu berücksichtigen. Und da ist schon viel passiert, es muss sich aber auch noch einiges tun…