Ein Auslandsstudium soll für Studenten ein kulturelles Erlebnis werden und viele neue Eindrücke bereit halten. Die Reise soll möglichst unbeschwert verlaufen, trotzdem darf natürlich eine Brise Abenteuer nicht fehlen. Europa hat soviel zu bieten und ihr werdet euch selber auf eurer Reise ein Bild davon machen können.
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Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das Reisen während eines Auslandsaufenthalt für viele Studenten mit einer Behinderung als hinderlich eingeschätzt wird und deshalb oft nicht in Angriff genommen wird. Das Reisen mit einer Behinderung in den USA ist aber eine überschaubare Angelegenheit. Das Auslandsstudium gewinnt an Qualität und man kann sich ein besseres Bild von Land und Leute machen. Also, Informationen heranschaffen und die Reise planen. Hier schonmal eine paar Hilfestellungen:
Das Flughafenpersonal ist oftmals sehr gut geschult, trotzdem fehlt den Mitarbeitern am Boden und in der Luft in vielen Fällen die Erfahrungen, wie sie mit behinderten Reisenden umgehen müssen. Wenn Ihr also Euer Auslandsstudium plant und mit dem Flugzeug reist, solltet Ihr Euch daher vorab sehr gut bei der Airline informieren, damit Ihr dem Personal ein wenig Hilfestellung geben könnt und ich auf die Reise einstellen könnt.
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In Deutschland leben gegenwärtig acht Millionen Menschen mit Behinderungen. Diese Zahl wird noch deutlich anwachsen, nicht zuletzt wegen der steigenden Lebenserwartung, die dazu führt, dass immer mehr ältere Menschen zu Reisenden mit Servicebedarf werden. Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass im Jahr 2030 ca. 47% der deutschen Bevölkerung über 65 Jahre sein und im Schnitt 85 Jahre alt werden.
Für rund 10% der Deutschen ist Barrierefreiheit bereits heute zwingend erforderlich, für rund ein Drittel der Bevölkerung ist sie notwendig. Eine Untersuchung der Universität Münster belegt, dass 37% der Befragten auf eine Reise verzichtet haben, weil es keine passenden barrierefreien Angebote gab. Die Hälfte würde öfter verreisen, wenn es geeignete Angebote gäbe; mehr als 60% wären zudem bereit, einen höheren Preis zu bezahlen und in der Nebensaison zu verreisen. (weiterlesen…)
Eines der größten Hindernisse insbesondere für Rollstuhlfahrer ist in den USA noch nicht aus der Welt: Die Schwierigkeit, Naturschönheiten wie die US-Nationalparks für Behinderte zugänglich zu machen. Es werden zwar auf diesem Gebiet große Anstrengungen unternommen, dennoch gibt es nach wie vor Probleme für Menschen mit Behinderung, die einen Nationalpark besuchen möchten. In der Zeit meines Auslandsstudiums habe ich Nationalparks und “recreation sites” in Minnesota und North Dakota besucht.
Der „Access Pass“ gilt nur für US-Bürger
Nicht nur Touristen aus dem Ausland, die Nationalparks besuchen möchten, leiden unter den Hindernissen. Zwar gibt es mittlerweile den „Access Pass“, der Behinderten freien Eintritt zu den Nationalparks bietet. Diesen Pass sowie die damit verbundenen Ermäßigungen (für Bootstouren, Führungen etc.) können jedoch nur US-Staatsbürger sowie Menschen, die permanent in den USA wohnen, beantragen. Und die naturgegebenen Barrieren in Nationalparks werden dadurch natürlich auch nicht aus der Welt geschafft…
Schwierige Aufgabe für den „National Park Service“
Zwar wurden in vielen Nationalparks bereits behindertengerechte Wanderwege eingerichtet, sanitäre Einrichtungen umgebaut und andere Umbaumaßnahmen durchgeführt. Andererseits begibt sich der zuständige, von der Regierung beauftragte „National Park Service“ hier auf eine Gratwanderung zwischen den Interessen der Behinderten und der Erhaltung der unberührten Natur in den Nationalparks. Ein Zuviel an Umbaumaßnahmen käme zwar Menschen mit Behinderung, welche die Nationalparks besuchen möchten, zugute. Vom ursprünglichen Charakter der Parks, der so viele Einheimische und Touristen anlockt, wäre dann jedoch nicht mehr viel übrig. Zum Schluss noch ein Tipp: Wendy Roth und Michael Tompane haben zu dem Thema „Zugängliche Nationalparks“ ein Buch in englischer Sprache veröffentlicht; dort finden Interessierte Tipps für Besuche in den amerikanischen Nationalparks, Routenvorschläge, Empfehlungen für die am besten zugänglichen Parks, etc.
Für die Zeit meines Studiums in den USA hatte ich mir vorgenommen, die bis dahin mühevoll erarbeitete Selbständigkeit so gut es geht anzuwenden und für Freizeitaktivitäten zu nutzen. Vor allem bei den Reisen innerhalb der USA funktionierte das sehr gut: Reisenden mit Behinderung werden dort bei weitem nicht so viele „Steine“ in den Weg gelegt wie in Deutschland, das fängt schon beim Check-In an.
Umstieg am Flughafen Chicago O’Hare völlig problemlos
Beispiel Flughafen: Bei der Anreise in den Bundesstaat Minnesota musste ich am Flughafen Chicago O’Hare in ein anderes Flugzeug umsteigen. Die Betreuung in Chicago war sehr gut, ganz anders, als ich es von Deutschland gewohnt war: Ich wurde nach der Ankunft in Chicago direkt am Flugzeug abgeholt, zu meinem Rollstuhl gebracht und in den Rollstuhl umgesetzt und anschließend zu einer „Lounge“ weitergeleitet. Diese großzügigen, komfortablen Aufenthaltsräume sind in Chicago normalerweise Fluggästen vorbehalten, die erster Klasse oder „Business Class“ fliegen. Anders in den USA: In den Räumen gibt es Essen und Trinken, einen Fernseher, Spielzeug für allein reisende kleine Kinder, sowie rollstuhlgerechte Sanitäranlagen, die ich nutzen konnte – diese sind allerdings in den USA ohnehin die Regel. In der „Lounge“ durfte ich auf meinen Anschlussflug warten, von dort brachte man mich wieder zum Flugzeug, die Mitarbeiter halfen mir außerdem beim Umsteigen in den Flugzeugsitz. Der ganze „stopover“, wie ein Zwischenstopp auf Englisch genannt wird, verlief somit für mich völlig stressfrei!
Ich möchte an dieser Stelle noch einmal ausführlicher auf das Thema „Krankenversicherung“ beim Auslandsstudium mit Behinderung zurückkommen und euch ein paar Tipps geben, auf was ihr diesbezüglich achten solltet.
Abschluss einer privaten Krankenversicherung für mich notwendig
Der Abschluss der richtigen Krankenversicherung war vor meinem Auslandsaufenthalt eine der größten Hürden, die ich zu überwinden hatte. Zwar gibt es innerhalb der Europäischen Union Abkommen zwischen den einzelnen Staaten für gesetzlich Versicherte; diese Abkommen gelten jedoch nicht außerhalb Europas und damit auch nicht in den Vereinigten Staaten von Amerika.
Für die USA musste ich also eine private Krankenversicherung abschließen. Dies gestaltete sich aus folgenden Gründen sehr schwierig.
Vorschriften bei Reise-Auslandskrankenversicherungen
Erstens: Die normalen Auslandskrankenversicherungen, die man in Zusammenhang mit Auslandsreisen abschließt, gelten höchstens drei Monate in Folge.
Zweitens: Private Krankenversicherungen verlangen immer ein Gesundheitszeugnis als zusätzliche „Absicherung“, wenn etwas passiert – für mich als Student mit chronischer/dauerhafter „Vorerkrankung“, wie es offiziell heißt, natürlich nicht gerade günstig…
Die Rettung: Ein Rundum-Paket eines Dienstleisters ohne Gesundheitsüberprüfung
Nach umfangreicher Recherche habe ich schließlich ein „Rundum-Paket“ bei einem Finanzdienstleister gefunden. Dieses Paket beinhaltete auch eine Krankenversicherung, allerdings ohne die von anderen Versicherungsanbietern vorgeschriebene Gesundheitsüberprüfung. Damit war schließlich alles klar, und ich konnte den nächsten Punkt auf meiner Vorbereitungs-Liste abhaken…