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Mittwoch, Dezember 9th, 2009

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das Reisen während eines Auslandsaufenthalt für viele Studenten mit einer Behinderung als hinderlich eingeschätzt wird und deshalb oft nicht in Angriff genommen wird. Das Reisen mit einer Behinderung in den USA ist aber eine überschaubare Angelegenheit. Das Auslandsstudium gewinnt an Qualität und man kann sich ein besseres Bild von Land und Leute machen. Also, Informationen heranschaffen und die Reise planen. Hier schonmal eine paar Hilfestellungen:

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Da die Ausgaben in den USA wesentlich höher sind als in Deutschland ist eine zusätzliche Finanzierung eigentlich unvermeidbar. Dabei kann ein Finanzierungsplan helfen. Neben dem Auslands-BAföG oder dem Bildungskredit gibt es noch andere Hilfestellungen.

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Ein Gastbeitrag von MyHandicap – Community, Infos & Adressen für Menschen mit Behinderung

Knapp 13 Jahre habe ich in den Vereinigten Staaten gelebt, studiert und gearbeitet. Dort habe ich als Rollstuhlfahrer mit plastischer Dysplesie sehr positive Erfahrungen gemacht, was es bedeutet mit einer Behinderung in Schule und Gesellschaft akzeptiert, respektiert und geschätzt zu werden. (weiterlesen …)

Montag, März 9th, 2009

Nicht jede Universität oder Hochschule bietet behinderten Studenten die Möglichkeit für ein Auslandssemester. Zum Glück gibt es Websites, die die Recherche nach dem geeignetem Standort erleichtern und umfassende Informationen zum Thema Auslandsstudium mit Behinderung zusammengestellt haben.

Informationen vor allem für Studierende mit Sehbeeinträchtigungen sind auf der Website der Universität Karlsruhe zu finden. Das Studienzentrum für Sehgeschädigte hat eine Linkliste mit Hochschulen in Deutschland, Europa und dem außereuropäischen Ausland zusammengetragen. (weiterlesen …)

Nach Auskunft des „U. S. Census Bureau“ leben in den USA (Stand 2005) etwa 54,4 Millionen Menschen mit Behinderung, das sind 18,7 Prozent der Bevölkerung (zum Vergleich Deutschland: ca. 8,6 Millionen Menschen mit Behinderung). Demographische Erhebungen zu diesem Thema und Vergleiche zwischen einzelnen Ländern gestalten sich vor allem deshalb schwierig, weil verschiedene Definitionen des Begriffs „Behinderung“ existieren. Eine wie ich finde interessante Anmerkung zu diesem Thema: Die spanische Übersetzung für „Behinderte“ lautet „minusvalidos“ – wörtlich ins Deutsche übersetzt bedeutet das „Minderwertige“… (weiterlesen …)

…nicht ganz so lustig, weil viel mehr und häufiger Schnee fällt als hierzulande! Die Wahrscheinlichkeit, in Minnesota „weiße“ oder zumindest sehr kalte Weihnachtstage zu erleben, ist sehr hoch. Das Land ist über weite Strecken flach, der Wind kann ungehindert durchziehen. Dementsprechend niedrig sind die Temperaturen: -20 bis -25°C, gefrorene Scheiben und Eisblumen an den Fenstern der Studenten-Wohnheime sind dort im Winter keine Seltenheit. In dem Jahr, als ich dort war, fiel der erste Schnee bereits Anfang/Mitte Oktober! Die Architekten der Hochschul-Gebäude haben jedoch, wie ich sehen konnte, vorgesorgt: Die Gebäude sind meistens durch Gänge miteinander verbunden, so dass Studenten und Personal nicht nach draußen müssen, um von einem Unterrichtsraum zum nächsten zu gelangen.

„Christmas Day“ und die amerikanische Religiosität

Abgesehen von den klimatischen Verhältnissen verläuft Weihnachten in Minnesota fast genauso wie hier bei uns: Es gibt am „Christmas Day“ (25. Dezember) Geschenke, ein Weihnachtsbaum wird aufgestellt – in vielen Haushalten stehen Weihnachtsbäume aus Plastik – , und die Kirchengemeinde begibt sich zur Mitternachtsmesse. Religiöser Patriotismus ist in den USA ein sehr hohes Gut, das von uns Europäern oft „belächelt“ oder unterschätzt wird – zu unrecht, wie ich während des Auslandsaufenthalts und eines zuvor absolvierten Schüleraustauschs feststellen konnte.

„Roast Turkey“: das traditionelle Weihnachtsessen in den USA

Traditionell gibt es in den USA zu Weihnachten gefüllten Truthahn mit Cranberry-Sauce (nicht zu verwechseln mit den hierzulande bekannten Preiselbeeren), Mais und grünen Bohnen. Beinahe jede Familie hat ihr eigenes Rezept für das „stuffing“ des Truthahns, in den Südstaaten auch „dressing“ genannt: Bestandteile der Füllung sind häufig Mais- oder Weißbrot, Zwiebeln, Sellerie, Petersilie, Wildreis oder auch Kastanien. Die Rezepte für die Truthahn-Füllungen werden heute noch von Generation zu Generation weitergegeben. Im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten wird die „Speisekarte“ zu Weihnachten um skandinavische Gerichte wie „Lutefisk“ (Fischgericht, für dessen Zubereitung Trockenfisch verwendet wird) oder Rübenpüree  erweitert, die Einwanderer aus ihren Heimatländern mit in die USA brachten.

Eines der größten Hindernisse insbesondere für Rollstuhlfahrer ist in den USA noch nicht aus der Welt: Die Schwierigkeit, Naturschönheiten wie die US-Nationalparks für Behinderte zugänglich zu machen. Es werden zwar auf diesem Gebiet große Anstrengungen unternommen, dennoch gibt es nach wie vor Probleme für Menschen mit Behinderung, die einen Nationalpark besuchen möchten. In der Zeit meines Auslandsstudiums habe ich Nationalparks und “recreation sites” in Minnesota und North Dakota besucht.

Der „Access Pass“ gilt nur für US-Bürger

Nicht nur Touristen aus dem Ausland, die Nationalparks besuchen möchten, leiden unter den Hindernissen. Zwar gibt es mittlerweile den „Access Pass“, der Behinderten freien Eintritt zu den Nationalparks bietet. Diesen Pass sowie die damit verbundenen Ermäßigungen (für Bootstouren, Führungen etc.) können jedoch nur US-Staatsbürger sowie Menschen, die permanent in den USA wohnen, beantragen. Und die naturgegebenen Barrieren in Nationalparks werden dadurch natürlich auch nicht aus der Welt geschafft…

Schwierige Aufgabe für den „National Park Service“

Zwar wurden in vielen Nationalparks bereits behindertengerechte Wanderwege eingerichtet, sanitäre Einrichtungen umgebaut und andere Umbaumaßnahmen durchgeführt. Andererseits begibt sich der zuständige, von der Regierung beauftragte „National Park Service“ hier auf eine Gratwanderung zwischen den Interessen der Behinderten und der Erhaltung der unberührten Natur in den Nationalparks. Ein Zuviel an Umbaumaßnahmen käme zwar Menschen mit Behinderung, welche die Nationalparks besuchen möchten, zugute. Vom ursprünglichen Charakter der Parks, der so viele Einheimische und Touristen anlockt, wäre dann jedoch nicht mehr viel übrig. Zum Schluss noch ein Tipp: Wendy Roth und Michael Tompane haben zu dem Thema „Zugängliche Nationalparks“ ein Buch in englischer Sprache veröffentlicht; dort finden Interessierte Tipps für Besuche in den amerikanischen Nationalparks, Routenvorschläge, Empfehlungen für die am besten zugänglichen Parks, etc.

Mobilität ist in den USA so wichtig wie in kaum einem anderen Land. Zwar stimmt das „Märchen“ vom Amerikaner, der ständig umzieht – und das auch noch freiwillig! – so nicht mehr. Auch Amerikaner wechseln nicht so ohne Weiteres ihren Wohnort, sind genauso verbunden mit ihren Familien wie wir Europäer, die Wissenschaft unterscheidet meist zwischen „geographischer“ und „sozialer Mobilität“. Dennoch: Egal, wo man in den USA wohnt, Mobilität ist im Alltag sehr wichtig, insbesondere ein Auto, mit dem man die teilweise enormen Entfernungen zum Einkaufen, zu Freunden oder für Freizeitaktivitäten zurücklegen kann.

Enorme Entfernungen machen Auto unbedingt nötig

Das Gebiet der USA, in dem ich mein Auslandsstudium verbracht habe, der Bundesstaat Minnesota, ist da keine Ausnahme: Die Entfernungen beispielsweise zum nächsten Supermarkt, Restaurant, Arzt, Kino etc. sind enorm. Man kommt ohne Auto eigentlich nicht aus, und schon gar nicht als Behinderter. Wenn irgend möglich, wird man als dort lebender Mensch mit Behinderung deshalb versuchen, den Führerschein zu machen und sich ein Auto zuzulegen. Das öffentliche Verkehrsnetz ist zwar in den meisten Städten der USA gut ausgebaut, aber eben nicht in ländlichen Gebieten wie dem Mittleren Westen.

Mietauto für Menschen mit Behinderung leicht zu bekommen

Als Mensch mit Behinderung ein (Miet-)Auto zu bekommen, das an die jeweiligen körperlichen Voraussetzungen angepasst ist, ist in den USA ebenfalls kein Problem. Außerdem sind diese umgebauten Autos meist nicht viel teurer als „normale“. Die großen Mietwagen-Anbieter haben in vielen Filialen in den USA solche Autos vorrätig, die meist innerhalb kurzer Zeit beschafft werden können. In Deutschland dauert so etwas fast immer deutlich länger, oft sind überhaupt keine umgebauten Mietautos zu bekommen. Auch hier muss sich noch einiges tun, will sich Deutschland als rundum „behindertenfreundliches“ Land bezeichnen…

Für die Zeit meines Studiums in den USA hatte ich mir vorgenommen, die bis dahin mühevoll erarbeitete Selbständigkeit so gut es geht anzuwenden und für Freizeitaktivitäten zu nutzen. Vor allem bei den Reisen innerhalb der USA funktionierte das sehr gut: Reisenden mit Behinderung werden dort bei weitem nicht so viele „Steine“ in den Weg gelegt wie in Deutschland, das fängt schon beim Check-In an.

Umstieg am Flughafen Chicago O’Hare völlig problemlos

Beispiel Flughafen: Bei der Anreise in den Bundesstaat Minnesota musste ich am Flughafen Chicago O’Hare in ein anderes Flugzeug umsteigen. Die Betreuung in Chicago war sehr gut, ganz anders, als ich es von Deutschland gewohnt war: Ich wurde nach der Ankunft in Chicago direkt am Flugzeug abgeholt, zu meinem Rollstuhl gebracht und in den Rollstuhl umgesetzt und anschließend zu einer „Lounge“ weitergeleitet. Diese großzügigen, komfortablen Aufenthaltsräume sind in Chicago normalerweise Fluggästen vorbehalten, die erster Klasse oder „Business Class“ fliegen. Anders in den USA: In den Räumen gibt es Essen und Trinken, einen Fernseher, Spielzeug für allein reisende kleine Kinder, sowie rollstuhlgerechte Sanitäranlagen, die ich nutzen konnte – diese sind allerdings in den USA ohnehin die Regel. In der „Lounge“ durfte ich auf meinen Anschlussflug warten, von dort brachte man mich wieder zum Flugzeug, die Mitarbeiter halfen mir außerdem beim Umsteigen in den Flugzeugsitz. Der ganze „stopover“, wie ein Zwischenstopp auf Englisch genannt wird, verlief somit für mich völlig stressfrei!

Das Thema „Sport“ spielt an den Hochschulen der USA traditionell eine große Rolle: Die „colleges“ haben eine eigene Liga, jedes Jahr werden Meisterschaften ausgetragen, die ein Millionenpublikum vor den Fernseher locken. Die Endrunde der Basketball-Meisterschaften etwa findet jedes Jahr im März statt und wird deshalb bezeichnenderweise „March Madness“ genannt („madness“=englisch für „Wahnsinn“).

Liga-Betrieb für Rollstuhl-Basketball an einigen Hochschulen

Aber nicht nur für „normale“ Studenten gibt es an den US-Hochschulen ein umfangreiches Sportangebot.
Der meist riesige Campus einer amerikanischen Hochschule bietet neben Wohnmöglichkeiten für die Studenten – viele kommen aus dem Ausland oder aus anderen Bundesstaaten – auch umfangreiche Sportmöglichkeiten. Einige Hochschulen verfügen sogar über mehrere eigene Stadien mit einem Fassungsvermögen von mehreren Zehntausend Zuschauern. Finanziert werden diese Bauten häufig durch großzügige Spender, die meisten von ihnen wohlhabende „alumni“ (ehemalige Studenten der Hochschule).
Genau wie die „normalen“ Studenten, können natürlich auch Studenten mit Behinderung von dem Angebot ihrer Hochschule Gebrauch machen. Beispielsweise gibt es in einigen Regionen der USA einen Liga-Betrieb in Behindertensportarten, insbesondere im Rollstuhl-Basketball. Mittlerweile ist es für die Hochschulen selbstverständlich geworden, ihre Sportanlagen entweder behindertengerecht auszubauen oder die Bedürfnisse von Behinderten wenigstens in der Planung neuer Gebäude zu berücksichtigen. Hier können die meisten Hochschulen in Europa durchaus noch etwas dazu lernen.

Beispiele für behindertengerechte Umbauten von Sportanlagen

Für barrierefreien Behindertensport braucht es natürlich auch die entsprechenden Zugänge zu den Sport-/Wettkampfstätten. Dazu zwei Beispiele aus meiner eigenen Erfahrung: Das College im Bundesstaat Minnesota, an dem ich studiert habe, hatte nicht nur einen ebenerdigen Zugang zur Schwimmhalle; es gab dort auch eine Dusche, die rollstuhlgerecht gebaut war, sowie eine Einstiegshilfe für das Schwimmbecken. Genauso war der Zugang zum Football-Stadion sowie zur Sporthalle, in der die Volleyball- und Basketball-Wettbewerbe stattfanden, rollstuhlgerecht ausgebaut. An allen Türen auf dem Campus waren elektronische Türöffner montiert, die auf Knopfdruck betätigt werden konnten. Wenn einmal ein Öffner nicht funktionierte, wurde der Hausmeister verständigt, und das Problem war spätestens nach einem halben Tag behoben. „Minnesota dreaming“!