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In der Zeit meines Auslandsstudiums habe ich unter anderem für die Deutsch-Fakultät meiner Hochschule, eines Colleges im US-Bundesstaat Minnesota, als „Native Assistant“ gearbeitet. Diese Hochschule bietet ihren Studenten ein sehr umfangreiches Austausch- und Fremdsprachenprogramm. Während des Auslandsstudiums war es meine Aufgabe, für die auf dem Campus untergebrachten Deutsch-Studenten Freizeitaktivitäten zu organisieren (Spiele-Abend, gemeinsames Kochen traditionell deutscher Speisen, Video-Abende auf Deutsch, deutsches „Komponisten-Raten“, und vieles mehr).

Die Stelle des „Native Assistant“ wurde nach Aussage der Dozenten am College aus mehreren Gründen eingeführt:

  • Das Sprachgefühl soll sich verbessern, weil den Studenten nicht nur „Hochschul-Deutsch“ vermittelt wird, sondern auch die im Alltag verwendete deutsche Sprache. Einführungen in Dialektsprache kann man ebenso in das Programm einbauen.
  • Der Assistent lernt etwas dazu, weil er die Aktivitäten selbst organisieren muss. Einige der Fakultäten verpflichten ihre „Assistants“ auch dazu, den Studenten Sprachunterricht zu geben.

„Native Assistants“ gibt es an mehreren sprachwissenschaftlichen Fakultäten dieser amerikanischen Hochschule.

Zu Beginn ließ die Resonanz auf die von mir organisierten „activities“ noch sehr zu wünschen übrig, das wurde jedoch mit der Zeit besser. Den meisten Zuspruch gab es auf die Videoabende; da die meisten Studenten bereits gut Deutsch konnten – einige von ihnen hatten deutsche Vorfahren oder kamen in Deutschland zur Welt – , zeigte ich die Filme meist auf Deutsch, ohne englische Untertitel. Ich spreche und verstehe Englisch zwar gut, trotzdem konnte ich der Handlung der Filme so natürlich besser folgen. Außerdem fiel es mir leichter, Verständnisfragen zu entwickeln, die ich am Ende des Films den Studenten zur Diskussion vorlegen sollte.

Wie beim Studium zuhause sollte natürlich auch bei der Auswahl der Kurse beim Auslandsstudium die Qualität und das Angebot der Hochschule die Hauptrolle spielen. Nicht immer stimmt die hierzulande weit verbreitete Annahme, dass Kurse an amerikanischen Hochschulen ein niedrigeres Niveau haben als in Europa. Bei der Ausbildung an amerikanischen Hochschulen wird allerdings mehr Wert auf Praxis gelegt, sodass häufig der Eindruck entsteht, die Theorie käme zu kurz.

Unterschiede im Bildungssystem zwischen den USA und Deutschland

Bei der Auswahl der Kurse für das eigene Auslandsstudium gilt es einiges zu beachten. Zunächst gibt es einen Unterschied zwischen „undergraduate“- und „graduate“-Studium. Die Teilnahme an „graduate“-Kursen ist für Gaststudenten in den USA meist erst nach Abschluss der Zwischenprüfung möglich. Außerdem kosten diese Kurse normalerweise mehr Studiengebühren. „Undergraduate“-Kurse können von allen Studenten belegt werden. Für Studenten – mit und ohne Behinderung – , die in den USA Jura oder Medizin studieren möchten, gelten besondere Bestimmungen.

Mehr Lektüre zur Vorbereitung auf den Unterricht erforderlich

Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Kurswahl ist der Umfang der zu bearbeitenden Lektüre zur Vorbereitung auf den Unterricht. Studenten, die bereits mit dem Literaturumfang an deutschen Hochschulen Probleme haben, haben es beim Auslandsstudium in den USA keineswegs leichter. Im Gegenteil, die Literaturlisten werden meist noch länger, die Literatur muss auf eigene Kosten in der Universitätsbibliothek oder über sonstige Quellen beschafft werden.

Hilfe für Behinderte per Internet oder vor Ort bei der Beschaffung von Büchern

Studenten mit Behinderung können sich in solchen Fällen meist an den Behindertenbeauftragten der Hochschule wenden, die Bücher werden dann direkt zugestellt. Verschiedene englischsprachige Internet-Seiten schaffen ebenfalls Abhilfe: Sie bieten ihren Kunden die nötige Literatur zu ermäßigten Preisen an. Das kann natürlich auch für Gaststudenten, die sich die Bücher bereits in der Heimat besorgen wollen, Aufwand und Kosten um einiges reduzieren.

Mittwoch, Juli 2nd, 2008

Das Vorhaben, in den USA zu studieren, wurde auch in meinem Fall von den Studiengebühren an amerikanischen Hochschulen etwas “durcheinander gebracht”.

Für amerikanische Schulabgänger gibt es viele Möglichkeiten, Stipendien für das Studium zu beantragen. Für ausländische Studenten, besonders Studenten mit Behinderung wie mich (Querschnittlähmung von Geburt an), ist die Situation etwas komplizierter.

Dennoch hatte ich Glück und wurde nach ausgiebiger Recherche und Telefon- bzw. E-Mail-Recherche mit etwa 250 Organisationen und Anbietern von Stipendien doch noch fündig: Der „Verband der Deutsch-Amerikanischen Clubs“, eine private Organisation, welche sich die Förderung der deutsch-amerikanischen Freundschaft zur Aufgabe gemacht hat, erklärte sich schließlich zur Übernahme der Studiengebühren für mein Auslandsstudium bereit. Allerdings waren in diesem Stipendium lediglich die Studiengebühren enthalten, nicht aber die Lebenshaltungskosten und die Kosten für meine medizinische Versorgung vor Ort.

Noch einmal kurz zurück zur persönlichen Beratung…Die Amis nehmen das “no child left behind”-Prinzip sehr ernst: Niemand soll mit seinen Problemen allein gelassen werden, und schon gar nicht Kinder und Angehörige von Minderheiten (dazu zählen Behinderte nun mal…). Dass dabei Anspruch und Realität manchmal nicht zusammenpassen, steht auf einem anderen Blatt geschrieben…

Die meisten Hochschulen in den USA haben entweder entweder einen “Counseling Service” (Beratungsstelle, die allen Studenten bei persönlichen Problemen Hilfe bietet) oder zusätzlich Behindertenbeauftragte vor Ort. Was die Qualiät der Beratung dort angeht, habe ich während meines Aufenthalts durchweg positive Erfahrungen gemacht. Ob es darum ging, eine kleine Schwelle an der Tür meines Wohnheims mit Beton aufzugießen(!), mein Bett umzustellen, damit ich besser ins Zimmer komme, oder mich persönlich zu beraten, alles hat schnell und unkompliziert geklappt!

Die Reise über den “Großen Teich”

Einige Menschen aus meinem Bekanntenkreis sind noch nie in ihrem Leben geflogen, geschweige denn über den Atlantik. Viele trauen sich aufgrund ihrer Behinderung eine so weite Reise nicht zu, andere haben das Geld nicht. Ich habe das Glück, in einer reisefreudigen Familie aufgewachsen zu sein, deshalb war dies nicht meine erste Flugreise, auch nicht die erste ohne meine Eltern. Das hat sehr zu meiner Beruhigung beigetragen! Trotzdem: Die Anreise vor solch einem langen Aufenthalt zu planen, hat alle Beteiligten viel Energie gekostet! Beispiel: Der Visumsantrag und das Abholen des Visums für den Aufenthalt.

Damals bin ich gemeinsam mit meiner Mutter mit dem Zug nach Frankfurt am Main zum Amerikanischen Generalkonsulat gefahren. Mit dem Thema Zugreisen im Rollstuhl könnte man übrigens problemlos einen weiteren Blog füllen…

In dem stark gesicherten Gebäude – wir schrieben das Jahr 2003, der 11. September war noch viel präsenter als heute – mussten wir ca. zwei Stunden warten, bis ich dran kam…das in einem Brief vorher angekündigte “Interview” im Konsulat dauerte grob geschätzt zwei Minuten:

Konsulatsmitarbeiter: “Warum beantragen Sie ein Visum für die USA?”

Ich dachte, ich hätt’s überall erzählt! “Ich möchte dort studieren.”

Konsulatsmitarbeiter: “Haben Sie vor, die USA wieder zu verlassen?”

Naja, wenn du mich so fragst…”Klar, meine Familie lebt schließlich in Deutschland!”

Schlusswort: “Gut, vielen Dank, hier ist ihr Visum!” :-) Wurde aber auch Zeit

Danach ging’s wieder nach Hause, der Tag war natürlich gelaufen…

Ein Studium im Ausland ist für die meisten Studenten ohnehin schon ein großer Schritt. Für Behinderte Studenten mit Behinderung ist die Entscheidung für ein solches Auslandsstudium mit zusätzlichen Hürden verbunden. Was Studenten mit Behinderung bei der Planung ihres Auslandsaufenthaltes beachten sollten. Eine “Checkliste”

Finanzierung vorher abklären

Die Studiengebühren z. B. in den USA sind für viele Studenten ein großes Problem. Der “run” auf Stipendien für ausländische Studenten ist sehr groß. Die meisten Stipendien decken ausschließlich die Studiengebühren ab; alle darüber hinaus gehenden Kosten, die während des Aufenthalts anfallen, muss man selbst tragen. Und ein “normaler” Student hat schließlich niedrigere Lebenshaltungskosten…Aber als Behinderter Student mit Behinderung ist man das Improvisieren und Organisieren ja gewohnt, deshalb…Immer mal wieder im Internet zu dem Thema recherchieren – bis ich zu meinem (ganz “normalen”) Stipendium gekommen bin, habe ich in Eigenregie etwa 200 Organisationen/Institutionen per Post, Telefon und E-Mail kontaktiert! Es gibt zu dem Thema “Stipendien” auch Nachschlagewerke und Adress-Verzeichnisse in Buchform.

Hochschule sorgfältig auswählen

Bei der Auswahl der richtigen Hochschule für das Auslandsstudium mit Behinderung spielen drei Fragen die Hauptrolle: Wie sieht es mit den baulichen Voraussetzungen auf und um den Campus aus? Wie ist die Betreuung vor Ort? Und, last but not least, bietet die Hochschule ein Studienprogramm an, das mir fachlich etwas bringt? Schließlich ist man ja (auch) zum Lernen an der Universität eingeschrieben – auch wenn dieses Thema erfahrungsgemäß beim so einem Aufenthalt viel zu kurz kommt…! ;-) Wer jetzt Treppenstufen vor denkmalgeschützten Bibliotheken, schwere Türen am Eingang des Hauptgebäudes und dergleichen im Kopf hat – America, you have it better!” :-) Ein im Jahr 1990 verabschiedetes Gesetz verpflichtet die Eigentümer öffentlicher Gebäude und Bauherren, die Bedürfnisse eines Menschen mit Behinderung bei der Gebäudeplanung zu berücksichtigen. Und da ist schon viel passiert, es muss sich aber auch noch einiges tun…